Safran, das rote Gold der Abruzzen

30 Kilometer von der Provinzhauptstadt Aquila liegt die Hochebene von Navelli, die weltweit bekannt für den Anbau von Safran in bester Qualität ist. Im Oktober werden hier die kostbaren Blüten des Safrankrokus gepflückt.
 
Wer einmal bei der Safranernte zugesehen hat, wundert sich nicht mehr über den hohen Preis, zu dem das teuerste Gewürz der Welt gehandelt wird. In mühevoller Handarbeit wird zuerst Blüte für Blüte gepflückt, und noch am selben Tag werden die Safranfäden, die roten, weiblichen Narben des Blütenstempels, entfernt und anschließend getrocknet. Das Ausmaß dieser Sisyphos-Arbeit wird einem bewusst, wenn man sich die Menge der einzelnen Safranfäden vorstellt, die für ein Kilogramm nötig sind, nämlich etwa 300.000.
 
Tradition seit der Römerzeit
 
In Navelli wurde Safran bereits zur Zeit des Römischen Reiches kultiviert und dort sogar als Pigmentfarbe für Wandmalereien verwendet. Bis ins 16. Jahrhundert hinein war die Provinz Aquila ein Hauptzentrum der Safranproduktion, heute werden in der Hochebene dagegen nur noch zwischen 50 und 100 Kilogramm produziert. Bezeichnenderweise spielte Safran in der traditionelle Küche der Abruzzen keine allzu große Rolle und hat erst in Rezepte jüngeren Datums Eingang gefunden: er war schlicht zu kostbar für den Eigenverzehr und wurde von jeher exportiert.
 
Heute kann man in der Hochebene verschiedene Spezialitäten mit Safran probieren, der größte Teil wird jedoch nach wie vor außerhalb der Region verzehrt und findet sich in der internationalen Gastronomie großer Metropolen wie Paris und Mailand wieder. Ein legendäres und weltweit bekanntes Safrangericht ist das ‚Risotto Milanese’ und auch das berühmte Kinderlied „Backe, backe Kuchen“ lehrt uns bereits von klein auf, dass Safran den Kuchen gel macht, was nichts anderes heißt, als ihm eine schöne gelbe Farbe zu verleihen.
 
DOP-Qualität
 
Der Safran aus Navelli ist seit 2005 mit dem Gütesiegel ‚DOP’ (Denominazione d’Origine Protetta) versehen, das von der Europäischen Union für die Garantie der kontrollierten Herkunft verliehen wird. Ein eigens dafür in Leben gerufene Konsortium aus Vertretern der lokalen Erzeuger macht sich für das geschützte Qualitätsprodukt und dessen Außenwirkung stark. Die Bezeichnung ‚Zafferano dell’Aquila DOP’ trägt Safran aus klar definierten Anbaugebieten der Provinz L'Aquila mit den Städten Barisciano, Caporciano, Fagnano Alto, Fontecchio, L’Aquila, Molina Aterno, Navelli, Poggio Picenze, Prata d’Ansidonia, San Demetrio nei Vestini, San Pio delle Camere, Tione degli Abruzzi und Villa Sant’Angelo.
 
In dem mittelalterlichen Städtchen Navelli findet alljährlich Mitte August die bekannte Sagra di Ceci e dello Zaferrano statt, ein Fest, das den dort angebauten Kichererbsen und dem wertvollen Safran huldigt. Angeboten werden zahlreiche regionale Köstlichkeiten wie Gnocchetti mit Kichererbsen und verschiedenen Soßen sowie Safranrisotto.



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